Wenn Seglers Albträume wahr werden …

Eigentlich sollte jetzt unser Bericht über die Ankunft in Hakahau, Ua Pou erscheinen, mit Fotos und dem Hinweis, dass auch die Überfahrt ihre Bilder bekommen hat.

Das Ankerfeld ist schon ziemlich voll, aber wir können uns noch außen, neben einer Amel 54, legen. Der Skipper, Thomas, hilft uns mit dem Heckanker und bald liegen wir fest vor Bug- und Heckanker.

Am nächsten Tag bleiben wir an Bord um sicher zu gehen, dass Alrisha an ihrem Platz bleibt, wenn wir von Bord gehen. Alles schaut gut aus und wir fühlen uns zwar an La Playta/Panama erinnert, ob des vielen Schwojens.

Am nächsten Tag schaffen wir es endlich an Land und melden uns bei der Gendarmerie an. Bei der Post gibt es kein „Mananet“, aber wir bekommen Wifi bei einer Bibliothek, wo wir auch Postkarten erstehen können. Mails, Bank, Versicherung, etc. verbrauchen den Akku des Laptops. Rasch noch ein Posting im Facebook und schon geht es zurück aufs Schiff. Wir freuen uns schon sehr auf das Festival, dass am 16.Dezember beginnt. Wir sind gerade noch rechtzeitig angekommen und haben die Nr. 10 laut offizieller Liste bekommen. Nur 10 Schiffe dürfen heuer im Haupthafen zum Festival bleiben.

Heute aber ist Krampus, der 5. Dezember 2019. Bei uns zuhause bedeutet das „Kettengerassel“, und fürchten vor dem Krampus und seinen Perchten. Hier aber sind wir weit davon entfernt. Wir wollen wieder an Land um die Emails zu beantworten und um ein paar frische Sachen zu besorgen. Doch der Wind hat zugelegt und der Schwell steht aus Nord in den Hafen. Alrisha beginnt zu „tanzen“. Wir entscheiden an Bord zu bleiben.

Immer mehr ruckt Alrisha in die Kette und zieht am Heckanker. Nun, ein wenig gewöhnt haben wir uns an solche Situationen, aber muss das sein? Brigitte arbeitet an unseren Fotos, die wir zuhause Freunden zeigen wollen und ich sehe ihr über die Schulter als plötzlich ein lauter Knall ertönt …

Alrisha bricht nach Backbord aus! Hinter uns sind die Felsen! Panik setzt ein …
Rasch sind wir an Deck und begreifen sofort – nein, das darf einfach nicht sein – die Kette ist gebrochen! Wir starten den Motor – ich fange das Schiff ab und steuere in den Schwell zurück. Unser Nachbar bekommt alles mit und springt ins Dinghi um sich um unseren Heckanker zu kümmern.

Das Adrenalin ist voll eingeschossen, aber wir realisieren, dass wir alles unter Kontrolle haben. Ich steuere Alrisha zur Pier für die großen Schiffe und dort haben sich bereits Segler aus unserem Ankerfeld eingefunden um Leinen anzunehmen. Eines ist gleich klar – hier sollten wir nicht lange bleiben, denn der Schwell schmeißt Alrisha immer mehr gegen die Großbootfender.

Der ehemalige Heckanker wird nun zum Abhalten des Bugs von der Pier eingesetzt. Kaum kehrt etwas Ruhe ein überlegen wir gemeinsam mit unseren mittlerweile zahlreichen Helfern, wie wir weiter vorgehen. Mike aus Oregon meint, er habe einen „Fänger“ für solche Situationen und in der Tat, nach einmal links und einmal rechts fahren mit dem Dinghi hängt die abgerissene Kette im Bergeanker. Ein Fender wir angeschlagen und dann kann Alrisha kommen um den Rest der Kette wieder aufzunehmen.

Eine 16mm Bleileine schäkeln wir in das letzte Glied ein und schon hängt Alrisha wieder an ihrem eigenen Anker. Thomas hält bereits die Leine für den Heckanker bereit und bald liegt Alrisha wieder nahezu am gleichen Ort wie zuvor.

Kein Helfer wird entlassen, zu dankbar sind wir für die erwiesene Hilfe und Seemannschaft. Alrisha’s Kühlschrank spuckt kaltes Bier für alle aus und ein Seufzens des Erleichtert Seins macht die Runde.
Kettenrasseln in dieser Art wollen wir nicht mehr hören …

mit Sailmail per Pactor 4 und SSB Funk übertragen.
de OEX8635

8 Gedanken zu „Wenn Seglers Albträume wahr werden …

  1. Platzer Andreas

    puh, Wahnsinn. Zum Glück habt ihr schon genug Erfahrung und viele helfende Hände gehabt.
    Es scheint so, als ob viele Ankerplätze keine wirklich gut Abdeckung vom Land haben.
    Das Bier, wenn auch vielleicht teuer, kann man ja nachkaufen .
    Ich hoff, ihr bleibt jetzt mal eine Weile von solchen Überraschungen verschont.
    Liebe Grüße Andy

    Antworten
    1. Brigitte

      Wir hatten wirklich Glück, denn wir wollten eigentlich an Land. Anker hielt ja bombenfest, aber dann war es uns zu viel Wind und vor allem zu viel Schwell und wir entschieden an Bord zu bleiben. Manchmal braucht man einen Schutzengel. 🙂
      Liebe Grüße ins Burgenland

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  2. Tina Seidel

    Puh, das ist noch mal gut gegangen. Schön, das ihr tolle Helfer hattet und euch und Alrisha nix passiert ist. Nun könnt hier hoffentlich die Bucht genießen, sobald der Wind weg ist.

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    1. Brigitte

      Viel Glück im Unglück. Die Helfer waren ein Wahnsinn. Die Langfahrer helfen wo es nur geht. Wir bleiben nur wegen des Festivals in dieser Bucht, sonst würden wir schon längst weg sein.
      Ganz liebe Grüße und einen schönen Advent

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  3. Güpo

    Da stockt mir das Blut ! Das ist ja wirklich Seglers Albtraum. – GOTT seid Dank alles gut gegangen. – Wir beten weiter für euch !!!!

    Wäre natürlich interessant wie oft so etwas passiert und ob ihr eine Ahnung habet wodurch. Ihr hattet doch wohl schon größere Belastung auf eurer Kette. Normaler Weise ist ja der Beschlag die Schwachstelle, dachte ich bisher.

    Also erholt euch erstmal und liebe grüße vom Nikolo. (Der Krampus ist ja gerade mal vorbeigerauscht!)

    Günter

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    1. Brigitte

      Was passiert uns noch? Die vielen Reparaturen und das jetzt auch noch. Es kann einfach nur besser werden. Hoffen wir auf ein gutes neues Jahr.
      Dir und deiner Familie noch einen schönen Advent

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  4. Sabine

    Oh, nein! Ihr seid wirklich vom Pech verfolgt. Zum Glück ist es glimpflich abgelaufen. Wie ist jetzt der Plan? Dem Edelstahlrest könnt ihr ja kaum noch vertrauen …
    Viel Glück.

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    1. Brigitte

      Viel Vertrauen haben wir nicht mehr, aber es bahnt sich eine Zwischenlösung an. Ihr wollt ja Tahiti wohl nicht mehr verlassen. 😉 Wie schauen eure Pläne aus?
      Ganz liebe Grüße aus Ua Pou

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