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Leider keine Wale, dafür aber viel Adrenalin

Schon um 08:30 legen wir ab, melden uns bei VIGIE (Papeete Port Control, VHF 12), um eine Freigabe zum Verlassen des Hafens zu bekommen. Wir müssen die Einflugschneise von Papeete Airport queren. Zur Zeit ist nicht viel los, ist doch gerade ein Flugzeug gelandet.

Moorea, Ankerfeld hinter dem Riff

Gleich nach der Ausfahrt setzen wir die Segel, das Groß macht Schwierigkeiten, waren wir doch im 2. Reff. Die 3. Reffleine blockiert und verhindert so ein setzen des Segels. Aber recht schnell ist das „Problem“ gelöst und die Genua wird ausgerollt. Wir haben NE Wind mit bis zu 12 kn. Einfach schönes segeln, bei kleiner Welle.

 

 

ein frei schwebender Baum

Trotzdem geht es mir heute absolut schlecht. Schon in der Nacht rinnt meine Nase, der Hals kratzt wie wild und meine Glieder fühlen sich so an, wie wenn Ferry mich geprügelt hätte. („Als ob ich das je tun würde“, Anm. d. Red.) Ich verschlafe die Überfahrt, na ja sind ja nur 15 sm bis Moorea. Wale hat Ferry nicht gesichtet. Kurz vor der Einfahrt höre ich ein komisches Geräusch und schaue Richtung Mast. Was muss ich da sehen, es hat sich der Baum vom Mast gelöst und bewegt sich unkontrolliert nach Backbord und Steuerbord. Wir fixieren den Baum schnell mit dem Spifall und versuchen Alrisha in den Wind zu drehen, damit wir das Groß bergen können. Dem Problem werden wir uns in der Cook Bay widmen. Da uns dies schon einmal in Kroatien passiert ist, sehen wir das eher gelassen.

wir sind von hohen Bergen umzingelt

Auch in der Einfahrt und in der Bucht sind keine Wale zu sehen. Dafür aber zwei Kreuzfahrtschiffe. Wir ankern neben Atanga. Den Bolzen vom Lümmelbeschlag finden wir an Deck. Den Querbolzen, den Splint und der Sprengring finden wir nicht mehr. Denn seit Kroatien hat unser lieber Freund Robert einen neuen Bolzen gedreht und mit mehr Sicherheitssplint versehen. Normalerweise dürfte dieser Bolzen einfach nicht mehr auf Reisen gehen.

Mit dem Spifall und einer Leine zum heranziehen des Baumes an den Mast können wir den Lümmelbeschlag wieder fixieren. Am Nachmittag kommen Sabine und Joachim auf ein Bier vorbei und wir gehen gemeinsam den Wetterbericht durch. Morgen Abend sollte sich ein kleines Fenster öffnen, dass uns 36-48 Stunden nach Ost bringt. Aber beide wollen wir nicht in der Nacht starten. So wie es jetzt aussieht gehen wir Sonntag früh Anker auf. Wohin es geht ist uns egal, Hauptsache soweit wie möglich nach Ost.

Wir müssen noch unbedingt tanken. Wir haben 2 Optionen: 1.) wir fahren mit Alrisha zu einen 5 Meter Steg und tanken dort oder 2.) wir machen unser Dinghi startklar, was heißt: komplett aufpumpen, ins Wasser heben, Außenborder montieren, der schon konserviert ist, Alrisha mit Kanister betanken, mit den leeren Kanister zur Tankstelle, auffüllen und Kanister wieder fixieren, Dinghi auslassen, an Deck hieven, Luft auslassen und fest verzurren.

die Tankstelle

Wir entscheiden uns trotz heftigen Wind gleich mit Alrisha zur Tankstelle zu fahren. Der Wind ist auflandig und wir können ohne größere Probleme an den Steg anlanden und Alrisha an den Miniklampen fest machen. Auch beginnt sich das erste Brett vom Steg zu lösen. Der Steg dort schaut ziemlich filigran aus. Ich bringe alle Dokumente zur Tankstelle und wir können somit Zollfrei tanken. Das wäre in der Taina heute nicht möglich gewesen, denn da kann man nur Montag bis Freitag und nicht an Feiertagen oder dem Wochenende Zollfrei tanken.

kurzer Steg bei der Tankstelle

Dass die Zapfsäule abschnappt, der Tankschlauch für den zweiten Tank zu kurz ist und wir dafür die Sprayhood umlegen müssen ist ja noch zu verkraften. Aber wie kommen wir hier jemals wieder weg? Alrisha drückt wie wild auf den Steg. Uns kommen zwei Amerikaner, die auch tanken wollen zu Hilfe. Man drückt Alrisha nur kurz den Bug in den Wind, Ferry dampft mit rückwärts Schub in die achtere Spring ein: Wir sind 90 Grad zum Steg, Ferry gibt Vorschub und die Helfer an Land geben uns die Spring zurück.

Tankstelle landseitig

 

Leider hat sich bei dieser Aktion unser Festmacher um die Schraube des aufgestellten Außenborders (250 PS) gewickelt. Ferry macht sofort die Leine los. Wir bitten sie den Festmacher in das Dinghi von Atanga zu werfen, doch sie kommen uns nach und werfen sie schwungvoll aufs Deck. 🙂

Das ist genug Adrenalin für die letzten zwei Tage. Sagt man nicht alle guten Dinge sind DREI. Wir lassen den Anker wieder auf unserem alten Platz fallen. 50 Meter für 13 Meter sind draußen, noch schnell die Ankerkralle rein und fertig. Ich lege die Fernsteuerung beiseite und auf einmal beginnt sich die Ankerwinsch zu drehen und weiter Kette raus zu lassen. Ich schreie, was ich sonst nicht tue, zu Ferry, dass er die Ankerwinsch abschalten muss. Er zieht die Hauptsicherung und die Kette stoppt.

Viel Kette liegt nicht mehr im Ankerkasten und außerdem, da hinten ist dann das Meer zu Ende. Ferry öffnet die Fernsteuerung und bald ist klar, dass da ein Druckknopf permanent auf die kleine Taste drückt. Bald ist das Problem behoben und wir können wieder die Kette auf 50 Meter reduzieren.

Nach soviel Adrenalin braucht Ferry ein Bier. Bei so vielen Hoppalas kann uns doch bei der Fahrt in die Tuamotos oder vielleicht gleich bis in die Marquesas fast nichts mehr passieren. 🙂

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