Der Inverter

der neue Inverter von Victron

 

Das letzte größere Projekt im Zuge der Service- und Instandsetzungsmaßnahmen auf Alrisha. Das verschiedene Teile im Lauf der Jahre verschleißen ist uns klar. Unser Quasi-Sinus Inverter mit 1500 W teilte schon Stromschläge aus wenn man ihn berührte. Mir passiert das eher nicht, aber Brigitte, holt sie doch den Staubsauger dort heraus. 😉

 

 

 

FI Schalter während des Testbetriebes

 

Außerdem war er nicht geerdet und ein Fehlerstromschutzschalter (vulgo FI, heute als RCD bezeichnet) fehlte konsequenterweise auch in der Installation. Das war mir schon immer ein Dorn im Auge. Also, wenn schon repariert wird (Ruder-Hydraulik, Ankerwinsch, Kühlschrank), dann gehe ich das auch an. Der Landstrom Anschluss ist selbstverständlich geschützt, sonst gäbe es keine CE Zulassung für das Schiff und der Inverter wurde vielleicht nicht von der Werft verbaut.

 

 

Eigentlich bin ich ja kein Elektriker, sondern IT Techniker, also nur eine Person, die elektrisch unterwiesen wurde und müsste bei Arbeiten am 220 V Netz einen Fachmann hinzu ziehen. Bei uns Zuhause kein Problem, aber hier – am anderen Ende der Welt – mit sprachlichen Barrieren, nicht so einfach. Also halte ich Rücksprache mit meinen ehemaligen Kollegen von der Elektro Fraktion und so klärt sich bald alles.

Vielen Dank an Karl und Wolfgang. Meine Fachliteratur ist „Elektrik an Bord“, von Michael Herrmann und „Fachkunde Elektrotechnik“ samt angeschlossener Bücher aus dem Europa Verlag.

Trotzdem ersetzt das nicht den Fachmann und wir werden unsere Installation auch überprüfen lassen.

der Werdegang eines Kabels

Der DC Anschluss (12 V Gleichstrom) sollte mit 70 mm² her gestellt werden, aber leider krimpt man mir das nicht hier. Also nehme ich 2 x 35 mm² anstatt und krimpe mir das selbst. Natürlich mit entsprechendem Schrumpfschlauch, der mit der Heißluft Pistole versiegelt wird.

 

 

Ein großes Danke an dieser Stelle an Pezi, Fuzzi, Andi und Franz (Bertls bester Freund), alle Eichgraben und Umgebung, für das viele Installationsmaterial, dass ihr uns geschenkt habt. Alrisha war zwar sicher schwerer, aber sie war dafür bestens mit Material versorgt. Ihr würdet nicht glauben, was davon schon alles zum Einsatz gekommen ist, auch mal zur Hilfe für andere Segler.

Wenn ich mich schon bei allen bedanke, dann auch bei Brigitte, die den Saustall hat ertragen müssen, den wir während den Arbeiten an Bord hatten! 😊

die Anschlüsse im Inverter

 

Der neue Inverter ist ein Victron Phönix Smart mit 2 KW Leistung und reiner 50 Hz Sinuswelle. So wie die PV Regler (Solar) können wir ihn über unser Smartphone via Bluetooth steuern und einstellen. Die Verkabelung beschränkt sich daher auf den DC Anschluss, gesichert mit einer 300 A Schmelzsicherung, und den AC Anschluss, also das 220 V Wechselstrom Bord Netz.

 

endlich ein Erdungskabel

 

War beim alten Inverter noch ein Schutzkontakt-Stecker in einer Dose am Gerät, wird nunmehr alles im Gerät verkabelt und fest verschraubt. Ein 4 mm² Erdungskabel ziehe ich zum zentralen Erdungsanschluss im Schaltkasten. Die Erdung ist dort auf den Metallrumpf geführt und werftseitig gemacht gewesen.

 

 

 

 

Die Erdung im Verteilerkasten

Da der neue Inverter nun geerdet ist, kann ich nun auch einen FI (RCD) Schutzschalter installieren. Dieser misst den Differenzstrom vom Außen- und Neutralleiter (vormals Phase und Nullleiter) und weicht dieser um 30 mA ab, so trennt der Schutzschalter beide Leiter. Diese Maßnahme gilt dem Personenschutz um in einem Fehlerfall den Stromkreis zu unterbrechen. Schließlich sind Spannungen über 50 V – bei entsprechender Stromstärke – lebensgefährlich!

 

 

unser neuer Schutzschalter

Im DC Netz (12 V)  beschränken sich die Schutzmaßnahmen auf den Leitungsschutz um Kabelbrände zu vermeiden. Hohe Ströme erwärmen das Kabel. Auch ist unser DC Netz NICHT geerdet, damit es zu keiner elektrolytischen Korrosion kommen kann. Der Schutz vor Galvanischen Strömen wird mit den Zink Opferanoden gewährleistet. In Marinas, wenn wir am Landstrom hängen, bringen wir zusätzliche Anoden an Kabeln aus, die mit dem Schiffsrumpf elektrisch verbunden werden. Des Weiteren ist eine galvanische Trennung installiert.  Besser wäre ein Trenn-Transformator der nur induktive Verbindungen zum Landnetz verwendet und ein polarisiertes Bordnetz schafft. Mein nächstes Projekt vielleicht, wenn die Admiralität zustimmt. 😉 Nachdem wir aber derzeit kaum in Marinas sind – also selten Landstrom fröhnen – nicht dringend.

 

die Lampe leuchtet

 

Nach dem Verkabeln teste ich die neue Installation. Strom fließt (die Lampe brennt), so weit so gut! Dann einmal den Testknopf am Schutzschalter drücken und sofort löst er aus. Die Testlampe ist wieder finster. OK, aber ich will es genau wissen. Nochmals Strom an und diesmal berühre ich den stromführenden Leiter mit dem losen Erdungskabel meiner Testlampe. Auch hier löst der Schutzschalter sofort aus! Somit passt für uns alles einmal aus der Sicht des Personenschutzes.

 

 

Wie sieht es aber nun im Bezug auf Elektrolyse aus? Unser Messgerät zeigt KEINEN Fehlstrom an. Muss wohl so sein, denn sonst würde der Schutzschalter ja auslösen. Aber uns geht es hier mehr um den Gleichstrom, denn der hat bei einem Metallschiff (im besonderen bei Aluminium) zersetzende Wirkung, wenn sich das Metall in einen Elektrolyt befindet. Salzwasser ist leider ein Elektrolyt. Aber alles ist gut, kein Strom ist zu messen.

Zum Schluss ein Danke an alle, die bis hierher gelesen haben, denn Technik, wenn auch im Paradies geschrieben, ist wohl nicht so interessant, als das Segeln zwischen den Inseln und die diesbezüglichen Fotos …

Mauruuru!

8 Gedanken zu „Der Inverter

  1. Andreas Platzer

    Ja Sicherheit bei Strom ist schon sehr wichtig und noch wichtiger wenn es ein Metallrumpf ist. Super gemacht.

    Antworten
    1. Brigitte

      Der Ferry wird immer besser und Sicherheit ist ihm sehr wichtig. Ein großes Danke an Ihn!
      Liebe Grüße aus Papeete
      Brigitte

      Antworten
  2. Guepo

    Wirst es sicher glauben. Was ich derzeit vorrangig lese sind Bücher über Technik, Vorrangig Elektrik und Motorkunde. Da fehlt es gewaltig 😉 – Insofern war es ein sehr interessanter Artikel !!!!!!

    Aber natürlich sind berichte über Segeln erbaulicher, ist es doch das was wir wirklich wollen !!!!!

    Liebe Grüße (und es war sehr nett letztens von See zu „plaudern“ !!!)
    Günter

    Antworten
    1. Ferry Beitragsautor

      Recht so, lieber Güpo!
      Auf Langfahrt hat man nicht so viele Hafenmanöver, Nachtansteuerungen – nur Verrückte fahren im Finsteren in ein Atoll hinein – oder regattamäßige Segelmanöver. Hingegen fordert Motor und Elektrik regelmäßig Tribut!
      Warum haben wir das nicht in den Segelkursen gelernt? Hmm? 😉
      Liebe Grüße aus Papeete

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  3. Hannes Plöschberger

    Strom,…. da war ja was in meiner Jugend und dann war ja auch eine Meisterprüfung,….
    Also so wie Du das geschrieben hast, klingt das wirklich gut!
    Auch wenn ich es heute selber wahrscheinlich nicht mehr allein machen würde!
    Da bin ich schon zu lange weg und lebe nach dem Leitsatz:
    Never read the fucking Manual!
    Somit hätte ich schon beim Grundverständnis Probleme!“
    Komischerweise funktionieren dann die Sachen auch ohne Anleitung.
    Hut ab vor dem „IT ler“
    Liebe Grüße Hannes

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    1. Ferry Beitragsautor

      Danke lieber Plöschi!
      Hier – „in the middle of nowhere“ muss man sich selbst helfen, und ich kann sinnerfassend lesen und habe Freunde, die ich fragen darf. Dann wird auch etwas daraus!
      Liebe Grüße aus der Südsee!

      Antworten

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