Aus zwei mach‘ eins!

Wenn ich mich mal wieder am Blog melde, wird’s meistens technisch! Wer lieber von Südsee Schönheiten lesen will liest bitte Brigitte’s Artikel (ist noch in Arbeit) über das Fest und es gibt dort sicher ein paar schöne Fotos.

Aber vielleicht hat ein anderer Segler mal ein ähnliches Problem und es hilft diese Schilderung der Problemanalyse. Wir Segler sind ja eine große Familie …

unser Motor zickt

 

Jeden Morgen gehört für mich das Ablesen des Stromverbrauchs zur Routine. Dabei wird auch immer der Schalter für die „Leak“ Anzeige gedrückt. Normal leuchtet alles grün, aber wenn es rot leuchtet bedeutet dies, dass Strom über den Rumpf fließt. Nun, das haben wir schön öfters erlebt, weil beispielsweise ein Kabel eingeklemmt wurde und mit dem Metallrumpf in Berührung gekommen ist.

 

 

Und so eben wieder einmal. Kazunga! Ich habe ja an nichts elektrischem herum geschraubt. Die Klos durfte ich wieder zerlegen, aber das regt mich schon gar nicht mehr auf. Und wegen unserer Probleme mit dem Wasserablauf im Waschbecken und in der Spüle durfte ich wieder den Installateur Blaumann anziehen und Schläuche öffnen, tauschen, Abfluss erneuern usw. Ein Watermaker Service fällt auch kaum ins Gewicht. Das wirklich lästige für mich ist, dass ich für solche Arbeiten meist viel aus der Stau-Koje ausräumen muss, das die mitgeführten Ersatzteile immer am hintersten Platz zu finden sind.

Masse Relais

Rasch krame ich nach der Prüflampe und bete: „Bitte leuchte nicht“. Doch sie erstrahlt in hellem Glanz! Mist! Das erste was ich mache ist die Motorbatterie abzuschalten, um festzustellen ob die Motorelektrik oder das Bordnetz der Verursacher ist. Meine Prüflampe erlischt nach dem Abschalten der Motorbatterie. Na gut, dann lassen wir sie abgeschalten und denken nach, was den in Frage kommen könnte.

 

Der Startschlüsselschalter vielleicht? Der springt nicht mehr nach dem Starten des Motors in die „Ein“ Stellung zurück sondern bleibt auf „Glühen“. Wir haben uns ein Schild gemacht auf dem „Elektrolyse!“ steht, das einem ins Auge springt wenn man den Motor in Betrieb nimmt. Wir drehen dann eben den Startschlüssel manuell zurück bis die Elektrolyse Warnung am Navi-Panel ausgeht.

eine von 2 Lichtmaschinen

Ja, aber der Motor läuft ja nicht! Es muss etwas anderes sein. Bei unserem Motor geht die Minus-Leitung von der Starterbatterie zu einem sogenannten „Masse Relais“. Am selben Pol treffen sich auch die B-Minus Leitungen der beiden Lichtmaschinen (Generatoren). Der andere Pol des Relais führt zur Motorelektrik und wenn das Relais schaltet wird der Motor „Masse“, also Minus und so kann der Starter mit Strom versorgt werden. Nach dem Starten springt der Startschlüssel normalerweise zurück auf „Ein“ und das Masse Relais schließt den Stromkreis wieder. Der Motor ist nun nicht mehr „Masse“ und so fließt auch kein Strom über den Rumpf, denn der Motorblock ist ja mit dem Schiffsrumpf verschraubt.

Hmm, kann das Relais schuld sein? Werden solche Relais überhaupt kaputt? Na ja, unser Ankerrelais durfte ich schon zweimal tauschen. Also ja? Ich schreibe meine Vermutung an Oliver von Skippercard, denn ich brauche wieder mal meinen technischen Souffleur. Er schreibt sofort zurück und sagt mir er werde das prüfen. Nachdem wir ja einen Zeitunterschied von 10 Stunden haben mache ich mich schon mal ans Werk und baue das Teil aus. Mit dem Zigarettenanzünder versorge ich es mit Strom uns sehe sofort, dass das Relais schaltet. OK – Fehlanzeige – es muss etwas anderes schuld sein. Ich baue das Relais wieder ein und wende mich den LiMas (kurz für Lichtmaschine) zu.

der Regler von der Lichtmaschine

Als ich die erste LiMa abgeschlossen habe und wieder teste ist der Strom am Rumpf weg. Hurra! Der Fehler ist gefunden, aber was bedeutet das. Die zweite LiMa müsste ja Strom produzieren und die Batterien laden. Aber darf ich die abgeschlossene LiMa 1 einfach mitlaufen lassen um den Keilriemen gespannt zu halten, der ja auch die Wasserpumpe antreibt? Ohne Wasserpumpe läuft der Motor heiß und das wollen wir auch nicht wirklich.

 

Ja, kannst Du, schreibt Oliver von Skippercard sofort: „Ohne Erregerstrom von der Batterie tut der Generator nichts. Peter, unser ehemaliger Tauchlehrer, Freund und KFZ Meister, dem ich „gemessengert“ habe, äußert sich unisono! Na dann muss ich nichts umbauen und kann den Motor starten sobald alle abgeschlossenen Kabel so versorgt sind, dass kein Kurzschluss möglich ist.

die Verkabelung

Der Motor startet und es gibt keine Elektrolyse Warnung mehr – so weit so gut, aber warum springt der Sterling Ladermanager nicht mehr an. Statt einer Trenndiode, die die Starterbatterie vom Bordnetz isoliert haben wir einen Sterling Lademanager installiert. Dieser „boosted“ das Bordnetz mit einer intelligenten Ladekennlinie. So ein Schmarrn! Wenn der nicht anspringt ist er quasi nur mehr eine teure Trenndiode. Bevor ich wieder alle anschreibe nehme ich mir den Schaltplan von der Sterling Installation zur Hand und sehe, dass in einer erweiterten Installation der Pluspol des Startermotors mit dem Erregeranschluss der LiMa verbunden sein muss. Der Sterling springt nur an, wenn er Strom von der/den LiMa’s „sieht“.

War er auch, aber nur mit der LiMa 1, die ja jetzt nur noch als Keilriemenspanner dient. Was ist mit dem Erregeranschluss der LiMa 2? Aha, der ist mit B+ verbunden, also eine „Selbsterregung“. Das funzt natürlich nur, wenn eine andere LiMa bereits Strom produziert und so der B+ der LiMa 2 mit Strom versorgt ist. Na dann lege ich mal schnell ein Kabel rüber und teste erneut. Schnell mal rüber legen heißt trotzdem einen Anschluss krimpen, denn wenn der Motor läuft, vibriert alles und die Verbindung würde sich vielleicht lösen. Als alles fertig ist und Brigitte den Motor für mich startet springt der Sterling wieder nicht an. Ich muss mich wiederholen: Kazunga!

Ich zermartere mir das Hirn, was das bedeuten könnte. Wieder will ich meinen technischen Beratern schreiben, aber das bedeutet an Land fahren zu müssen. Denn es gibt hier nur einen Hotspot und den kann ich von unserem Liegeplatz aus nicht sehen.

die Verzweiflung war groß, aber jetzt funktioniert fast alles wieder

Kann hier ein Doppelfehler vorliegen? Ich vermute, dass bei LiMa 1 die Diodenbrücke defekt ist und so für Strom am Rumpf sorgt. Die Diodenbrücke ist ein Gleichrichter, der den Drehstrom, den der Stator (Bauteil mit Wicklungen in dem ein Rotor oder auch Anker dreht) erzeugt in Gleichstrom umwandelt. Dieser wird dann dem Regler zugeführt, der eben die Batterie lädt oder nicht, weil sie bereits voll ist. Natürlich kann man das messen. Dazu müsste man die Diodenbrücke aber vom Stator ablöten und dann mit der Diodenmessung des Messgerätes die Spannung in Durchgangsrichtung messen. In der anderen Richtung muss der Widerstand unendlich sein. Ich schenke mir das aber, da ich ohnedies kein Ersatzteil hier bekommen könnte. Wieso weiß ich das? Ich habe mir das Werkstatt Handbuch zu meinem Motor besorgt und da steht das alles ganz genau drinnen. 😊

Bei der anderen LiMa müsste, wenn ich richtig liege, der Regler defekt sein. Eine Idee entsteht:

AUS ZWEI MACH‘ EINS!

Es schüttet in Strömen – jetzt auf das Fest zu gehen macht sicher keinen Spaß. Aber wir werden die Abendveranstaltung besuchen. Denn die Tänzer haben sich verdient bewundert zu werden, sind sie doch in traditionellen Kostümen zu sehen.

Ich baue beide LiMas aus. Dann entferne ich den Regler der LiMa 2 und habe sofort das Erregerkabel lose in der Hand. Na ja, die LiMa lässt sich wohl ohne Reparatur nicht mehr erregen. Bei der LiMa 1 hingegen sieht der Regler perfekt aus, aber die Diodenbrücke hat wohl einen Schaden. Ich baue also den Regler 1 in die LiMa 2 ein und die fertige LiMa wird am Bauplatz der LiMa 1 eingebaut. Die Verkabelung der LiMa 2 lege ich still und baue die Halterung ab. Mittlerweilen schaue ich wie ein Mechaniker aus, denn meine Hände sind schwarz und ich bin froh, dass Brigitte nicht sieht wo ich mich überall angehalten habe. Wenn es funktioniert, verzeiht sie mir den Dreck bestimmt.

Et Voila! Der Motor springt an, der Sterling schaltet sich wieder ein, die Batterien werden geladen und die Elektrolyseanzeige bleibt GRÜN!

Jetzt noch schnell duschen und dann ab aufs Fest. Ach‘ ja – der Regen hat auch aufgehört. 😊

 

4 Gedanken zu „Aus zwei mach‘ eins!

  1. Guepo

    Super Ferry – und du erklärst es echt toll. Bin voller Bewunderung und kann das wie hier wohl alle sehr gut mitfühlen. Der Grenzgang zwischen Verzweiflung und und großem Glücksgefühl !!!!
    Frohes Fest und … ah ja, FROHE OSTERN !

    Antworten
  2. Füzer Werner

    Danke Ferry, mit Deiner ausführlichen Erklärung werde ich auch noch zum KFZ-Elektriker.
    Ich bewundere Deine Geduld, ich weiß aber auch, dass Dir nichts anderes übrigbleibt.
    Hoffentlich hast Du jetzt längere Zeit nichts zu reparieren.

    Liebe Grüße!
    Anneliese u. Werner

    Antworten

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