Papierkrieg

Schnell noch das Bimini aufgestellt, denn es fängt leicht zu regnen an. Dann geht das Dinghi ins Wasser. In das springende Dinghi einsteigen und dabei nicht ins Wasser zu fallen und sich auch nicht zu verletzen, denn auch Alrisha springt wie ein Geißbock, ist nicht gerade einfach. Den Motor auf das hüpfende Dinghi montieren bereitet auch Freude. Früher wären wir an Bord geblieben. Dann rüber zum Steg, der ist für Großschiffe, dann steht dort ein Soldat und meint wir dürfen dort bei den Autoreifen nicht festmachen und aussteigen. Das Dinghi an Land tragen kommt bei den Wellen auch nicht in Frage. Also nochmals zum Steg, da gibt es noch einen alten Poller, auf den man hochklettern kann und den nehmen wir dann.

Der Soldat führt uns zu einem Hütterl. Nachdem er uns eine Weile stehen gelassen hat, nimmt er unsere Fotokopien, lässt uns weiter stehen und quatscht mit seinem Kollegen. Wir nehmen es gelassen, dann meint er wir müssen zuerst zur Immigration. Wissen wir doch, aber du wolltest uns ja unbedingt als erster sehen. Wir marschieren durch den Ort, finden auch gleich die Immigration. Dort stören wir bei einem Fußballmatch. Langsam, ganz langsam nimmt er uns unsere Kopien von den Pässen, Seebrief, Zarpe und der Versicherung ab. Ich habe unsere Pässe auf einem Blatt ausgedruckt – Vorder und Rückseite – schlechte Idee, somit bekommt er zwei Kopien. Es dauert einige Zeit bis er überreißt, dass man das Blatt auch umdrehen kann. Ein Mexikaner will auch einreisen, er ist geduldig und bald kennen wir seine Lebensgeschichte. Er hilft uns dann auch als Dolmetscher bei Sprachproblemen, die ja überhaupt nicht vorhanden sind. ?? Wir haben noch immer nicht spanisch gelernt, welch Schande! Wir füllen einen Fragebogen aus, er tippt langsam auf seinem PC, schreibt dann einige Bestätigungen, sucht seine Stempel und nach fast zwei Stunden haben wir dann zwei Stempeln in unserem Pass. Doch der eine Stempel ist ein Visum und da muss er noch das Datum ausfüllen, wo ist der Kugelschreiber? Welches Datum ist in 90 Tagen nach dem 13.12. ? Gewonnen der 12.3., mit vereinten Kräften haben wir auch das geschafft. Wir dürfen auch noch das Visa im Pass unterschreiben. Dafür dürfen wir 210 USD berappen, ein Schnäppchen, nicht?

Weiter geht es zum AMP (Authoridad Maritime Panama), hier bekommen wir unser Permit, gültig ein Jahr – Kosten 180 plus 16 USD Gebühr. Ein weiteres Schnäppchen. Soll man erwähnen, dass er nicht an seinem Arbeitsplatz war, aber er war schnell gefunden und langsam ging es zum Schreibtisch. Jetzt beginnt der Papierkrieg.

Als erster nimmt er uns unsere Kopien ab und unsere Original Zarpe, dann legt er sich mal 3 Formulare zurecht. Wir bieten ihm an, dabei zu helfen, vorerst lehnt er ab, aber schon bald befüllen wir das riesige Formular gemeinsam. Beim nächsten Formular braucht er 2 Durchschläge, jetzt wird das Blaupapier gezückt und damit es nicht verrutscht angeheftet. Alles wird fein säuberlich ausgefüllt. Die Heftklammern werden mit der Hand geöffnet, liegt doch ein Öffner daneben, geht auch so meint er. Die nächsten beiden Formular benötigten SIEBEN Durchschläge. Und jeder Durchschlag benötigt 2 Stempel. Am Schluss wird noch alles fein säuberlich getrennt und in der richtigen Reihenfolge zusammengeheftet. Er hat eindeutig seinen Beruf verfehlt, er hätte Buchhalter werden sollen. Obwohl er so viele Kopien erstellt hat, müssen wir noch vom Permit eine Kopie erstellen. Wir übergehen das mal und laufen wieder zu den Soldaten.

Er lässt uns wieder mal stehen und dann meint er, er braucht eine Kopie von der Seite 1, 3, 4 und 5. Also wieder zurück zum Kopiershop, der muss ja auch was verdienen. 4 Kopien kosten einen Dollar. Diesmal geht Ferry alleine zurück, ich bleibe beim Shop, denn da soll es gutes Internet geben und auch Bier. Nach einer halben Stunde kommt Ferry endlich zurück und meint die wollen aufs Schiff. Morgen Früh um 08:00 schauen sie vorbei.

Wir gönnen uns noch ein Bier, tratschen noch ein wenig mit dem Mexikaner und gehen dann zurück aufs rollende Schiff. Wir verstauen den Motor und das Dinghi.

In der Früh warten wir vergebens auf die Militärpolizei. Also Dinghi wieder runter, Motor wieder rauf, rein ins Dinghi, auf den Steg turnen und freundlich Grinsen und fragen wann sie denn kommen wollen. 2 Leute fragen uns ob wir Kaffee haben. Wir bejahen und so steigen sie mit ihren dreckigen Schuhen zu uns ins Dinghi. Bei der Überfahrt meinen sie schneller, sie wollen mehr Spaß. Mit ihren dreckigen Schuhen, bzw. Militärstiefeln betreten sie Alrisha. Der Soldat ist neugierig und will Alrisha von innen sehen. Stiefel ausziehen kommt nicht in Frage. Ist wohl auch besser so 😉 Danach bekommen sie ihren Kaffee und alle sind glücklich. Wir bringen sie wieder an Land und wir leisten uns nochmal eine Stunde Internet.

Inzwischen ist es Mittag und es geht zurück an Bord. Der Schonbezug vom Dinghi ist versaut, wir werden es reinigen, aber wir sind hoffentlich ordentlich einklariert. Und jetzt nur weg von dieser Bucht. Sie ist eindeutig zu „rollig“ 😉

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