Amateurfunk und die USA

Aktualisiert: 25.07.2019

Ich habe diesen Blog Artikel in ein paar Facebook Foren geteilt um Kommentare und Erfahrungen einzuholen. Diese möchte ich jetzt in diesem Artikel einfließen lassen:

Änderungen im Originaltext sind rot kommentiert. Zu Löschendes ist durchgestrichen.

Ergänzung:

Bislang konnten Segler mit Amateurfunklizenz Email Nachrichten über Kurzwelle über sogenannte „Gateways“ ins Internet versenden. Das funktioniert auch weiterhin, nur haben die Regulierungsbehörden den Funkamateuren die „US Part 97 Third-Party Traffic rules“ in Erinnerung gerufen, um den Verkehr mit „Drittländern“ zu beschränken und zwar auf jene, mit denen die USA ein Abkommen haben. Leider sind da viele europäische, asiatische und pazifische Staaten nicht dabei. Das Winlink System hat diese Regeln jetzt implementiert um US AFU Stationen zu schützen, nicht gegen diese Regeln zu verstoßen. Benutzt man also ein US Gateway, lehnt dieses das Weiterleiten ab.

Jedoch nur, wenn die Zieldomäne oder die Sendedomäne nicht winlink.org ist! Das heißt, ein „Saildocs request“ (um beispielsweise einen Wetterbericht anzufodern), ein Positionsbericht über Winlink, ein Anfordern von GRIB Dateien (Windrichtung, Stärke und andere meteorologische Informationen) funktionieren für alle segelnden Funkamateure weiterhin, auch über ein US Gateway.

Will man also ein Email empfangen oder senden, dass nicht zum Winlink System zählt, blockt Winlink das nun, wenn eine US Station Gateway oder eine US Station involvert ist. Nimmt man nun eine Gateway Station aus Mexiko  oder Neuseeland werden diese Regeln auch nicht schlagend.  Benutzt man über das selbe System Internetzugriff statt Amateurfunk gelten diese Restriktionen auch nicht.

Link zum Anhang für die Emails von Winlink

Original Blog vom 24.7.2019

Icom IC-M802 remote gesteuert

Bislang haben wir auf hoher See mittels Amateurfunk unsere Position gemeldet und Wetterdaten von unserem Wetterdienst empfangen. Auch den Blog versorgten wir mit Nachrichten für alle die uns über das Internet folgen.

 

 

Nun ist teilweise Schluss damit – zumindest in dem Teil der Welt, den nur US Funkamateure abdecken. Ihnen ist der Verkehr mit „anderen Ländern“ nur dann gestattet, wenn es ein Abkommen zwischen USA und dem jeweiligen Staat gibt. Österreich und Deutschland haben kein so ein Abkommen. Das soll nicht heißen, dass die USA kein Abkommen wollten. Zu einem Übereinkommen bedarf es natürlich beider Seiten!

Pactor 4 SSB Modem

 

Nun lehnt das Winlink System jedes Email, dass über Funk übertragen wird, und ein US Gateway benutzt – in einen anderen Staat eine andere Domäne, ab. Benutzt man das Winlink Netz via Internet funktioniert aber alles.

 

 

Der formale Grund ist dass Funkamateure nur mit Funkamateuren kommunizieren dürfen. Aber es gibt auch Gerüchte, dass die Übertragung „komprimiert (und somit nicht lesbar)“ mittels Pactor Modems gemacht wird und die Protokolle nicht offen gelegt sind.

Wie auch immer, für uns heißt das, wir können auf unseren längeren Schlägen nichts mehr bloggen und auch die Wetterdaten unseres Dienstes, den wir bezahlen, nicht mehr empfangen.

Es gibt NOCH Ausnahmen: Das ist einerseits der Positionsbericht und anderseits Anfragen an Saildocs – einem System, dass Grib Datei Abfrage und Wetter Telexe erlaubt, weil es ein US System ist und kein anderes Land involviert ist.

Es schaut so aus, wie wenn wir von Funkamateur zu Funkamateur noch eine Mail senden können. Da testen wir aber noch! Vielleicht ein Regelfehler?

Das klappt so wie es soll! Warum ein Funkamateur mir ein Email an OE3xxxx(at) winlink(punkt)org, nicht aber an name(at).domain.at senden darf (Ich darf doch mehrere Email Adressen haben), hat sich mir aber noch nicht erschlossen.

Inmarsat Satellitentelefon

 

Es gibt die Möglichkeit ein Email mit „Emergency“ zu versehen. Dann wird die Regel umgangen.

Eine der verpflichtende Dienste für Funkamateure ist der Notdienst über Amateurfunk Frequenzen. 

Mir war immer bewusst, dass Amateurfunk in der heutigen Zeit gerade noch geduldet wird, denn zu wertvoll sind die Frequenzen, (nicht unbedingt Kurzwelle, wohl aber höher frequente) die man wohl lieber teuer verkaufen möchte.

 

Eine Alternative könnte Sailmail sein. Das ist ein Dienst der ca. $ 245,- 275,- im Jahr kostet, aber nur 90 Minuten pro Woche SSB (Single Side Band) Verkehr bietet. Das ist für tägliche Aktualisierungen viel zu wenig, zumal die Verbindungen per SSB nicht immer von Erfolg gekrönt sind. Ausbreitungsbedingungen in der Kurzwelle können manche Verbindungen, so sie zustande kommen, sehr in die Länge ziehen. Dann sind 90 Minuten schnell um. Und dort müsste doch die „Nichtoffenlegung“ auch schlagend werden. Der Wert ist ein Richtwert. Überschreitungen werden laut anderen Sailmail Anwendern geduldet, wenn man danach wieder darunter bleibt. 

Unser „Inmarsat“ Satelliten-Telefon erlaubt zwar Datenverkehr, aber mit sehr minimalistischen Bandbreiten. Unser Pactor 4 schlagt das um Längen. Ein Email mit nur einer Zeile Inhalt würde uns ca. € 8 kosten. Nicht gerade ein Schnäppchen.

Was bleibt uns sonst noch? Wir können uns ein „Iridium Go“ zulegen, wenn wir wieder in Österreich sind und dann dort, wo wir nur US Stationen via SSB erreichen können, via Satellit senden. Das ist aber auch nicht gerade billig, aber billiger als via Inmarsat. Oder wir vertrauen darauf, ein anderes Land erreichen zu können.

Kurzum, es wird leider demnächst ruhig um uns werden, wenn wir im Pazifik weiter unterwegs sind … ☹

Nein, doch nicht 🙂 Wir haben uns für eine hybride Lösung entschieden und werden in Zukunft AFU für Positionsberichte, GRIB Dateien und Saildocs request nutzen, denn da werden keine Regeln verletzt. Ein Update an den Blog auf hoher See wird in Zukunft über Sailmail erfolgen und da kann ich auch nicht gegen AFU Regeln verstoßen.

vy 73 de OE3FWC/mm aka Ferry, OEX8635

Anhänge:

Original Information an Funkamateure via Winlink:

All,

If you are a US-licensed station that routinely connects to a foreign gateway, or a non-US-licensed station that connects with a US gateway, you may be affected by new CMS behavior. The Winlink CMS now will enforce US Third-Party Message rules.

Because Winlink is being severely criticized for allowing US client and gateway operators to violate US amateur radio third-party traffic rules, we are today starting to test automatic enforcement of these rules. Part 97.3(47), 97.115 and 97.117 apply.

If you attempt to send or receive a third-party message between a US-licensed station and another station the US does not have a third-party communication agreement with, you may receive a service message saying the message will violate the applcable rules and that the message is refused (if you’re sending) or being held at the CMS (if you are receiving). Alternative means to successfully send or receive the message will be explained. The US has treaties with most countries in the North and South America, but not most European, Asian and Pacific countries.

If you are a US-licensee, you should have no trouble sending and receiving to/from internet addresses if you connect with another US-licensed gateway, or one licensed in Central or South America — as long as the US has a third-party agreement with the licensing country.

If you are a non-US licensee, you should have no trouble sending and receiving to/from internet addresses if you connect to non-US licensed gateways.

We wish this was not necessary, but we have relied on US client and gateway operators to know the rules and obey them—and most have ignored them, unfortunately for all of us. In order to clean up the violations we are taking these measures to keep US Winlink operators legal. All licensees have an obligation to study, know, and obey the Amateur Radio Rules.

New monitoring and enforcement measures are coming into play with the establishment of a new Volunteer Monitor Program, now being set up by the ARRL at the request of the US FCC. We’re doing this to make it easier for US operators to avoid loosing their licenses!

We will be tweaking the behavior of this new mechanism to make it as friendly and informative as it can be. Please bear with us as we make changes.

Thanks and 73,

Lxx Wxxxx
Winlink Development Team

Abgelehnte Übermittlung:

Message with ID ‚PO12xxxxxxxx‘ and subject ‚test‘ is being held at the Winlink CMS because delivery by or to a US station on amateur radio frequencies would violate US Part 97 Third-Party Traffic rules. This message can be retrieved using the Internet — using a direct telnet connection to a CMS or by using webmail after logging into your Winlink account at winlink.org. Or, by connection to a gateway that permits third party traffic.

[OE3XXX << KXXXX << SMTP:user@example.com]

=====
Thanks for using Winlink, an Amateur Radio Safety Foundation
sponsored project. For more information about Winlink please
visit: https://www.winlink.org

 

10 Gedanken zu „Amateurfunk und die USA

    1. Brigitte

      Rauchzeichen kommen derzeit in Österreich (siehe Mörbisch) nicht gut an. Bei den hiesigen Buschtrommeln verstehen wir die lustige Sprache nicht. ??

      Antworten
  1. Günter Poschacher

    USA werde immer sympatischer. Aber alles Jammern hilft nichts.
    Bis ich zum Aussteigen komme gibt es wahrscheinlich nicht einmal mehr GPS ?
    Naja, damit bekommen eure Nichrichten ein noch höheren (Seltenheits)Wert.
    Liebe Grüße, solange es noch geht.
    Liebe Grüße
    Günter

    Antworten
    1. Ferry Beitragsautor

      Haha! GPS vielleicht nicht mehr, aber GALILEO! Nur geht das halt nur gelegentlich, oder nur für gewisse Funktionen.
      Wir finden einen Weg unser Tagebuch zu schreiben! Jawohl! ?

      Antworten
  2. Bertold Franz

    Vielleicht helfen noch die Maritim-Netze auf 20 m für Informationen, um die Amateurfunk-Maxime Kontakt mit jedem ohne Politik, Diffamierungen , Achtung der Person aufrecht zu erhalten…Ich drücke die Daumen, dass es immer Lücken in solch einer Blockierung für Euch gibt. vy 73 DJ6SU, Bertold

    Antworten
    1. Ferry Beitragsautor

      Vielen Dank, Bertold für Deinen Kommentar!
      Ja, man hat‘s nicht leicht! ⛵️

      vy 73 de OE3FWC, Ferry ?

      Antworten
  3. Sascha

    Das Thema ist ja schon recht alt:
    „Der formale Grund – so die Gerüchte – ist, dass die Übertragung „komprimiert (und somit nicht lesbar)“ mittels Pactor Modems gemacht wird und die Protokolle nicht offen gelegt sind.“

    Kompression ist wohl weniger das Problem an sich. Probleme sind die Geschlossenheit des Protokolls (ausser V1) inkl. der Kompression und auch, dass Pactor 4 eine zu hohe Symbolrate nutzt: Afaik bis zu 1800 S/s. Unter 28 MHz sind in den USA nur max. 300 Baud erlaubt. Die ARRL diskutiert seit längerem mit der FCC, um daran was zu ändern – doch das kann dauern – siehe https://winlink.org/tags/symbol_rate_limits

    So toll finde ich Pactor übrigens (u.a. weil eben proprietär) sowieso nicht – Ich habe vor einiger Zeit sowieso ein paar Nachrichtentechniker sich „wundernd“ über den Aufbau bzgl. einigen eventuellen Unsinnigkeiten von neueren PACTOR-Versionen reden hören. Wenn man etwas mehr in die Entwicklung der offenen Alternative (die existiert ja mit WinMOR) investieren würde, könnte das allen nutzen.
    Ist zwar (mit legaler Symbolrate) momentan etwas langsamer, aber ist offen und kostet dafür genau nix..

    Antworten
    1. Ferry Beitragsautor

      Dein Kommentar ist leider im SPAM hängen geblieben. Askimet hat äußerst selten „false positives“. vielen Dank!
      vy 73 de OE3FWC/mm

      Antworten
  4. Helmut

    Wir haben sailmail 3 Jahre benutzt und bezüglich der 90 Minuten pro Woche nie Probleme bekmmen, auch wenn wir msl deulich mehr Zeit in Anspruch genohmen haben und es hat fast immer sehr gut funktioniert. Ich hoffe es geht euch gut. Fair winds… Helmut von der Auriga a.D.

    Antworten
  5. Ferry Beitragsautor

    Danke Helmut für die Info! Schade, dass wir nicht gemeinsam unterwegs sind hier. Sonst ist alles gut bei uns! ?⛵️

    Antworten

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