Überfahrt Vanuatu – Australien – Tag 03 – Fiasko

Der Wind legt zu, immer wieder rauscht eine Welle über Alrisha und findet leider auch einen Weg ins Cockpit. Wir haben jetzt 20-25kn aus SE und die Wellen kommen von der Seite. Das Groß ist im 2. Reff und die Genua ist zwischen 2.und 3. Reff.

 

Zwischensicherung

Ferry hat heute die Doppelschicht und legt sich nochmals um 06:00 in die Koje. Gerade als er aus der Koje raus kommt, fängt die Genua zum schlagen an. Ich schaue nach vorne und sehe das das Vorstag nicht mehr verankert ist. Der Bolzen, der das ganze hält ist nicht mehr da. Die Genua fliegt von der Backbord zur Steuerbord Reling. Wir nehmen das Groß dicht, leider vergessen wir in der Hektik auf die Dirk und der Großbaum liegt auf dem neuen Bimini. Ferry ändert den Kurs auf Vorwind und schaltet den Motor dazu.

 

Ich sammle schnell Leinen und versuche das Vorstag mit der Genua an die Reling festzubinden, ohne das sie mich verletzt. Aber vorher muss ich noch schweren Herzens unsere neuen Schoten abschneiden, denn sonst erwischt mich eine. Als nächstes probieren wir die Genua von Hand aufzurollen. Natürlich scheitern wir. Es bläst noch immer mit 20kn Wind und die Wellen heben uns um 1,5 bis 2m. Dann probieren wir es halt über die Reffleine, auch hier findet der Versuch ein rasches Ende. Wir müssen die Trommel nach vorne fixieren und dann haben wir eine Chance die Genua aufzurollen und ein wenig Druck rauszunehmen.

 

solche Wellen gehen immer wieder durch

 

 

Mit Leinen um die Rollanlage versuchen wir die Aggressivität des Vorstag in den Griff zu bekommen. Wir nehmen die Leinen immer dichter. Endlich bewegt sie sich nur mehr weniger als einen halben Meter. Und dann können wir das Segel aufrollen. Erster Meilenstein geschafft. Als nächstes müssen wir die Reffanlage wieder mit einem Bolzen sichern.

 

 

 

Wir versuchen mit Leinen die Reffanlage immer weiter vom tanzen abzuhalten. Eine Leine zieht nach vorne, zwei auf die beiden Seiten. Ich knie auf dem Anker um sicherer arbeiten zu können. Das mit dem Bolzen wird trotzdem nichts und so überlegen wir, es mit 2 Schäkeln hintereinander zu probieren. In das original Loch bekommen wir es nicht hin, aber es gibt zum Glück noch ein paar weiter achtern. Endlich nach 7 Stunden Angst um den Mast und vor allem vor Quetschwunden können wir das Vorstag einigermaßen stabilisieren.

Wir setzen noch das Spifall und unser Reserve Genuafall nach vorne, damit de Mast eine zusätzliche Stütze bekommt. Uns ist schnell klar wir können nicht umdrehen, wir müssen da durch. Es liegen noch gute 1000 sm in Angst vor uns.

Uns geht es soweit gut, mit ein paar blauen Flecken, einer Blaumeise, ein paar Abschürfungen und einen Sonnenbrand am Allerwertesten (vom langen knien auf dem Anker) sind wir recht gut davongekommen.

Leider können wir das von Alrisha nicht sagen. Das Vordeck ist total zerkratzt, der Lack ist teilweise bis aufs Aluminium runter. Die Reling hat viele Abschürfungen bekommen. Das Bimini hat nun Löcher. Ob wir die Reffanlage heil bis nach Australien bekommen ist fraglich. Das ganze Rigg muss auf Folgeschäden in Australien kontrolliert werden.

Das komplette Rigg wurde im April von Profis durchgecheckt. Inzwischen sind wir nicht mal 2.000 sm gesegelt und wer uns kennt, wir haben nie zu viel Tuch gesetzt.

Segel / Motor / Gesamt Tag / Gesamt

17.9.   141,0 / 0 / 141,0 / 303,0 sm

6 Gedanken zu „Überfahrt Vanuatu – Australien – Tag 03 – Fiasko

  1. Barbara

    Hallo Ihr Lieben, ihr habt mein aller größtes Mitgefühl. Ich kann mit gut vorstellen, durch wieviele Schrecksekunden ihr gegangen seid und wie viele bange Stunden noch vor euch liegen. Unsere Gedanken sind bei euch . Faie Winds!

    Antworten
    1. Brigitte Beitragsautor

      Liebe Barbara!
      Die Sekunden werden zu Minuten und dann zu Stunden. Man flucht, fragt sich warum man sich das antut. Man fragt sich können wir es schaffen, wie können wir es soweit in den Griff bekommen um sicher in Australien anzukommen. Vieles geht durch den Kopf. Aber irgendwie muss es weiter gehen.
      Liebe Grüße Brigitte und Ferry

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  2. Georg

    Hallo Ihr2,
    Ich drücke Euch ganz, ganz fest die Daumen für die Überfahrt und kippe für Euch einen extra großen Neptun- und Poseidonschluck in den Golf von Triest.
    Fair winds, following sea & good luck!
    Georg

    Antworten
    1. Brigitte Beitragsautor

      Danke für die Neptunspende, lieber Georg. Auch wir haben gespendet, zu viel oder zu wenig. Ich weiß nicht. Wir haben halt Neptun und Poseidon gespendet, vielleicht haben sie sich gegenseitig darauf verlassen, das der andere aufpasst.
      Ganz liebe Grüße Brigitte und Ferry

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  3. Günter

    Hallo ihr Lieben!
    Ich hatte in diesem Jahr auch so meine Probleme, aber dazu ist das nicht erwähnenswert. Aber die Frage, wozu mache4 ich das, kam schon ein paar mal hoch.
    Ich hoffe ihr kommt irgendwie rüber. Hab Angstschweiß wenn ich mir das so vorstelle. 100Nm und ein nicht sicheres Rigg. – Albtraum.

    Ich bete für euch.

    Antworten
    1. Brigitte Beitragsautor

      Danke für deine Gebete, lieber Güpo!
      Jetzt sind es nur mehr knapp 100 sm bis nach Cairns, aber es waren 1.000 (Eintausend) sm mit einem nicht durchgesetzten Vorstag. Ich hoffe du konntest alle deine Probleme beheben.
      Warum machen wir das? Das ankommen, die neuen Menschen, das neue Land, die neue Kultur und so vieles mehr lassen einem die Mühsal vergessen. Und Segler leiden unter Vergesslichkeit bei den Überfahrten. 😉
      Liebe Grüße Brigitte & Ferry

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